Tritt aus dem Schatten deiner Meister heraus

Tritt aus dem Schatten deiner Meister heraus

Im Laufe unserer persönlichen Heldenreise begegnen uns viele Menschen. Manche helfen uns und werden zu Freunden, andere nehmen wir als Antagonisten wahr. Einige werden zu unseren Meistern. Oft sind sie sehr lange an unserer Seite. 

Spannend wird es, wenn wir eines Tages den Zuspruch oder die Unterstützung eines Meisters verlieren. Wenn er sich plötzlich – zumindest scheinbar – gegen uns stellt oder mit dem Weg, den wir einschlagen, nicht länger einverstanden ist. Dann wird aus dem Meister ein Schwellenhüter.

Vom Schüler zum Meister

Ich habe solche Situationen im Laufe meines Lebens mehrfach erlebt. Es waren große Momente. Das Leben stellte mir plötzlich die Frage, wohin ich wirklich meine Aufmerksamkeit lenke. Gehorche ich weiter der äußeren Autorität, die sich – daran gab es nichts zu zweifeln – über eine lange Zeit als äußerst hilfreich herausgestellt hat? Oder wende ich mich im Moment der Dissonanz nach innen, befrage meine eigene Seele und vertraue auf mein eigenes Urteil?

Jedesmal, wenn ein solcher Moment gekommen war, entschied ich mich, über die Grenzen hinauszutreten, die mir diese Meister – vielleicht auch nur scheinbar – setzten oder in die sie mich zu verweisen schienen. Ich entschied stets, meinen Weg weiter zu gehen – ihrer Missbilligung oder ihrem Widerstand zum Trotz. Das waren immer schmerzliche Momente. Momente des Ringens, der Prüfung und der inneren Wahrheit. Es waren Abschiede. Und es waren Schritte ins Erwachsenen sein.

Wo endet der andere, und wo fange ich an?

Ich bin überzeugt, dass es so immer wieder geschieht. Und geschehen muss. Schüler überflügeln ihre Meister – so wie auch unsere Kinder uns überleben und über uns hinauswachsen. So muss es sein. Und es bedeutet nicht zuletzt, dass beide ihre Arbeit getan haben. Schüler und Meister.

Wenn der Augenblick gekommen ist, erhalten wir den letzten großen Liebesbeweis, das finale Geschenk unseres treuen Mentoren. Er prüft uns auf Herz und Nieren. Hinterfragt, ob wir bereit sind, allein in die Welt zu treten und für uns selbst einzustehen. Manchmal, ohne es vielleicht zu merken.

Haben wir unsere Lektion gelernt, können wir ihm danken und unseren eigenen Weg gehen. Die gemeinsame Wegstrecke und die gemeinsamen Erfahrungen kann uns niemand nehmen. Sie sind tief in uns verankert. In beiden.

Und so werden wir selbst zu Meistern und finden eigene Schüler, immer wieder. Und auch sie werden uns eines Tages überragen und verlassen, um ihrer eigenen Zukunft entgegen zu gehen.

Tritt aus den Schatten deiner Meister heraus.

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Sabine Besse
Autorin und Gestalttherapeutin, Jg. 1971, lebt mit Mann und zwei Söhnen in Südengland
Sabine Besse

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Von | 2017-01-27T16:32:56+00:00 24.01.2017|Persönlichkeitsentwicklung|0 Kommentare

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