Sabine Besse https://sabine-besse.com Autorin, Gestalttherapeutin Wed, 27 Jun 2018 13:27:36 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.8 Beendigung meines Newsletters https://sabine-besse.com/in-eigener-sache/ Mon, 28 May 2018 13:04:16 +0000 http://sabine-besse.com/?p=23668 Sabine Besse

Liebe Leute, einige von Euch werden es sicher mitbekommen haben – Ende Mai 2018 ist eine neue Datenschutzverordnung in Kraft getreten. Für mich war dies der letzte Stein des Anstoßes, um selbst ein paar Änderungen vorzunehmen. Denn so sehr ich es begrüße, dass Datenschutz ernst genommen wird, so sehr empfinde ich die neuen technischen Anforderungen als [...]

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Sabine Besse

Liebe Leute,

einige von Euch werden es sicher mitbekommen haben – Ende Mai 2018 ist eine neue Datenschutzverordnung in Kraft getreten.

Für mich war dies der letzte Stein des Anstoßes, um selbst ein paar Änderungen vorzunehmen. Denn so sehr ich es begrüße, dass Datenschutz ernst genommen wird, so sehr empfinde ich die neuen technischen Anforderungen als unverhältnismäßig und deplatziert. Die Aufmerksamkeit und Sorge, die ich als Privatperson darauf verwenden muss, um weiterhin legal und “straffrei” online publizieren zu können, stehen für mich in keinem Verhältnis mehr.

Daher habe ich mich entschlossen, meine Website zu entschlacken und offene Datenschleudern wie Facebook-Plugins oder Google Analytics konsequent zu entfernen. Auch meine Kommentarfunktion ist diesen Änderungen zum Opfer gefallen, und ich kehre damit sehr bewusst in eine Ära zurück, die wir gepflegt haben, bevor das Web 2.0 alles änderte.

Vor allem aber habe ich mich entschlossen, entgegen des allgemeinen Trends keine Newsletter mehr zu versenden. 

Zum einen habe ich Newsletter noch nie gemocht. Zum anderen ist mir klar geworden, dass ich mich nicht länger am medialen Wettstreit um die Aufmerksamkeit der Leser und am häufig völlig sinnlos gewordenen Informations-Dumping beteiligen möchte.

Ich merke, wie ich bei dem Versuch, mit den technischen Veränderungen Schritt zu halten, immer wieder aus meiner Mitte gerate und mein eigentliches Anliegen den Bach runter geht.

Mir ist schon seit längerem klar, dass es mir nicht um Masse, sondern um Klasse geht. Und ich glaube an das Prinzip der Resonanz und Anziehung. Immer wieder hat sich gezeigt, dass Menschen, die mich finden wollten oder mit denen ich etwas Bedeutsames auszutauschen hatte, mich auch gefunden haben. Daher bewahre ich diese Website als den digitalen Ort meines inneren Leuchtturms, und wer mich finden will, der kann dies gerne tun.

Ich freue mich weiterhin über Euer Interesse, aber ich habe mich von der Idee verabschiedet, dass Reichweite und digitale Präsenz alles sind.

Davon abgesehen schreibe ich über relativ zeitlose Themen. Es spielt also keine große Rolle, ob Ihr meinen neuesten Artikel heute oder erst in zwei Monaten lest – oder ob Ihr mich einfach mal anruft oder wir uns vielleicht sogar persönlich treffen.

Weniger ist mehr.

Das wird mir dieser Tage so krass deutlich wie noch nie. Und “Fortschritt” ist nicht immer gleich bedeutend mit Verbesserung.

Ich glaube zutiefst daran, dass wir – sofern wir suchen und offen sind – immer genau die Informationen und Menschen finden, die wir gerade benötigen.

In diesem Sinne alles Liebe und stay tuned.
Denn eines ist sicher: die Klappe halten werde ich noch lange nicht.

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Freilernen zwischen Scham und Stolz https://sabine-besse.com/freilernen-scham-und-stolz/ https://sabine-besse.com/freilernen-scham-und-stolz/#comments Mon, 26 Jun 2017 15:47:35 +0000 http://sabine-besse.com/?p=23229/ Sabine Besse

Dass ich mich seit langem mit Scham beschäftige, ist für viele kein Geheimnis mehr. Doch welche Rolle spielen Scham und Stolz im Leben eines Freilerners? Und wie beeinflusst Scham unser Verhalten? Was ist Scham? Ein kurzer Abriss Scham ist ein soziales Gefühl. Es entsteht in Begegnung mit anderen Menschen und regelt als Kontaktgefühl unsere Offenheit [...]

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Sabine Besse

Dass ich mich seit langem mit Scham beschäftige, ist für viele kein Geheimnis mehr. Doch welche Rolle spielen Scham und Stolz im Leben eines Freilerners? Und wie beeinflusst Scham unser Verhalten?

Was ist Scham? Ein kurzer Abriss

Scham ist ein soziales Gefühl. Es entsteht in Begegnung mit anderen Menschen und regelt als Kontaktgefühl unsere Offenheit bzw. unseren Wunsch, sich vor anderen zu verbergen.

Scham hat stets etwas mit sozialer Bewertung, oder – um es schärfer auszudrücken – mit Verurteilung zu tun. Der Blick anderer spielt bei der Entwicklung von Scham eine zentrale Rolle, und das bereits in frühester Kindheit.

Die Fähigkeit, sich zu schämen, ermöglicht uns, uns an unser soziales Umfeld anzupassen. Als solches ist Scham ein sinnvolles und gesundes Gefühl.

Jedoch leben wir heutzutage in einer, wie der Sozialwissenschaftler Stephan Marks es ausdrückt, “Atmosphäre der Scham”. Das bedeutet, dass wir vielfach und über viele Generationen traumatisch beschämt, erniedrigt, gedemütigt, nicht gesehen, nicht Wert geschätzt oder geliebt wurden. Die strukturelle Gewalt, auf der die öffentliche Erziehung fußt, trug und trägt zu diesen Verletzungen häufig bei. Die psychologischen Folgen sind für uns alle – auch wenn dies im allgemeinen Bewusstsein oftmals noch nicht sehr präsent ist – fatal.

Diese Traumatisierungen, ausgelöst durch übermäßige Scham, sind uns in der Regel nicht bewusst. Scham unterliegt einem mächtigen Tabu, und wir tun normalerweise alles dafür, um sie nicht zu spüren. Über sie zu sprechen bzw. sie auszudrücken, ist gleichermaßen schwierig. Angesichts von Scham verschlägt es uns regelrecht die Sprache.

Doch das ist noch nicht der schwierigste Aspekt von Scham. Viel entscheidender ist, dass wir regelrecht wünschen, vom Erdboden verschluckt zu werden. Wir wünschen uns nichts sehnlicher, als unsichtbar (!) zu werden. Das ist naheliegend, kann uns doch in diesem Moment der kritische Blick eines anderen nicht länger treffen.

Wenn wir uns schämen, unterbricht unser Körper blitzartig jeglichen Kontakt zur Außenwelt. Wir isolieren uns. Physiologisch laufen dabei die gleichen Prozesse ab wie in einer existenziell bedrohlichen, d.h. potenziell traumatisierenden Situation. Wir frieren regelrecht ein und werden handlungsunfähig. Uns stehen nur noch drei uralte Handlungsmuster zur Verfügung: Kämpfen, Flüchten oder Totstellen. Daher ist es auch ein so verbreitetes Machtmittel, andere zu beschämen: es setzt den Beschämten schlagartig außer Gefecht.

Scham in Randgruppen

Seien wir ehrlich: als Freilerner gehören wir einer Randgruppe an. Die durchschnittliche Akzeptanz in der Bevölkerung ist zwar erfreulicherweise in den letzten Jahren dank dauerhafter Öffentlichkeitsarbeit gestiegen. Doch jeder, der sich ernsthaft mit dem “Ausstieg” aus dem bzw. Alternativen zum Schulsystem beschäftigt und dies auch in seinem Umfeld artikuliert, kennt die vielfältigen ablehnenden, kritischen und oftmals erstaunlich heftig-aggressiven Reaktionen.

Diese heftigen Reaktionen liegen oft in Glaubenssätzen begründet: “Das macht man so!” “Das geht doch nicht!” “Das darfst du aber nicht!” “Das haben wir schon immer so gemacht!” usw.

Oft merken wir jedoch gar nicht, dass es Glaubenssätze sind, die uns leiten. Vielmehr sind wir geneigt, unsere subjektive Sicht auf die Welt als “Wahrheit” zu betrachten. Enthüllt werden diese Glaubenssätze dann sehr schmerzhaft, wenn jemand wagt, die Dinge auf einmal ganz anders zu machen. Auch Vegetarier oder Veganer können ein Lied davon singen.

Da Scham entscheidend mit sozialer Akzeptanz und Gruppenzugehörigkeit verbunden ist bzw. evolutionär den Zusammenhalt einer Gruppe sicher zu stellen hatte, ist Abweichung physiologisch mit einer tiefen Urangst verknüpft. Auch das macht biologisch durchaus Sinn, denn ohne den Schutz seiner Sippe war (und ist noch heute) ein Mensch allein nicht lebensfähig. Heute werden wir zwar nicht mehr allein in der Wildnis zurückgelassen. Aber für einen “sozialen Tod” kann es immer noch reichen.

Doch was bedeutet dies für Randgruppen? Einer Randgruppe anzugehören, bedeutet immer, sich in einem oder mehreren Merkmalen wesentlich vom Großteil der Bevölkerung zu unterscheiden. Das kann eine andere Hautfarbe sein, ein anderes Werteverständnis oder eine andere Lebensweise. Diese Abweichung ist in sich schamfördernd.

Randgruppen fordern Großgruppen stets heraus. Sie bedrohen (jedenfalls potenziell) ihre Homogenität und ihren Zusammenhalt. Randgruppen werden als “gefährlich” wahrgenommen.

Von der Schwierigkeit, “anders” zu sein

Die reine Tatsache, dass Mitglieder einer Randgruppe irgendwie anders sind, ist an sich jedoch noch kein Problem. Man könnte sie einfach anders sein lassen, und alle wären glücklich. Das Problem entsteht dort, wo die Bewertung und die damit zumeist einhergehende Ausgrenzung einsetzt. Wir erinnern uns: eine Gruppe versucht immer unbewusst, ihre Stabilität sicher zu stellen. Daher ist es nur folgerichtig, dass Einzelne, die scheinbar die Gruppe gefährden, entfernt bzw. ausgegrenzt werden (“müssen”). Doch für den Ausgegrenzten ist dies nicht nur eine extrem schmerzhafte, sondern auch eine sehr bedrohliche Erfahrung.

Ein Problem bestünde ebenfalls nicht, wenn es für uns unwichtig wäre, wie unsere Mitmenschen uns (an)sehen oder beurteilen. Doch das ist wohl nur in Ausnahmefällen der Fall. Fakt ist vielmehr: als soziale Wesen sind wir auf Anerkennung, Teilhabe, Wertschätzung, Liebe und Zuwendung angewiesen. Wir brauchen positiven Kontakt, so wie wir Nahrung, Licht und Wärme brauchen. Was geschieht, wenn Kinder in ihrer Entwicklung nicht genügend Zuwendung erhalten, wurde in der Psychologie hinreichend erforscht.

Entdeckt man also eines Tages als “Freilerner-Neuling”, dass man sich zu einer nicht nur seltenen, sondern auch als äußerst kritisch beäugten Lebensweise hingezogen fühlt, beginnen die inneren und äußeren Konflikte. Zumal man am Anfang ja selbst noch unsicher ist. Was habe ich da bloß entdeckt? Warum berührt mich dieses Thema so tief? Und wie, um Himmels willen, soll ich etwas tun und rechtfertigen, was in meinem Umfeld als verboten gilt?

Spätestens in diesem Moment prallen inneres Gewissen (unser innerer Blick auf uns selbst und unsere Welt) und unser äußeres Gewissen (Erziehung, (Rollen-)Erwartungen, sozialer Druck, Ansehen) ungebremst aufeinander.

Und dann machen wir eine sehr schmerzliche Erfahrung. Nicht einmal, sondern hundertfach: Etwas, von dem wir zutiefst überzeugt sind, etwas, das sich für uns wahr und richtig anfühlt, wird von anderen gnadenlos zerpflückt.

Das könnte man ja durchaus als positiv betrachten. Denn letztlich spiegeln uns die anderen meist nur unsere eigenen (erlernten) inneren Kritiker. Darf ich das wirklich tun? Wie kann ich es wagen, es anders zu machen? Wieso sollte ich es besser wissen oder machen als alle anderen? Bin ich nicht verantwortungslos? Was, wenn es schief geht? Was, wenn ich einer Illusion aufsitze? Was, wenn ich das Leben meiner Kinder verpfusche? Was, wenn wir scheitern?

Und vielleicht schämen wir uns dann für unser Anders-, unser Sosein. Weil in uns, wie in allen anderen, die klammheimliche Überzeugung schlummert, dass wir eigentlich nicht aus der Reihe tanzen sollten.

Scham oder Stolz?

Doch nicht alle Freilerner erleben in gleichem Maß und in der gleichen Intensität Schamgefühle. Die persönliche Vorgeschichte wirkt sich unterschiedlich aus. Ich sehe eine ganze Reihe vor allem junger Freilerner, die sehr stolz und selbstbewusst wirken und diese Positivität auch in die Welt tragen. Zum einen spielt persönliche Resilienz (Widerstandskraft) und Ich-Stärke eine entscheidende Rolle, aber auch die Unterstützung, die sie in ihrem Umfeld erfahren bzw. von Kindesbeinen erfahren haben. Denn es gibt ein Wundermittel gegen Scham: und das heißt Verbundenheit.

In unserem Fall überwogen klar die negativen und angstvollen Reaktionen. Als wir den Kindergarten hinter uns ließen, wollten die anderen Eltern auf einmal nichts mehr mit uns zu tun haben. Es war ein Stück Arbeit, meinem Sohn zu erklären, dass nicht seine Freunde ihn verlassen hatten, sondern dass deren Eltern sich von uns zurückzogen.

Auch innerhalb der Familie machten wir teilweise sehr unerfreuliche Erfahrungen, die so weit reichten, dass der Versuch eines Austauschs nach wiederholten Anläufen beider Seiten schließlich im Kontaktabbruch mündete. Heute würde ich sagen, wir sind an einer unerkannten – und unerlösten – Schamdynamik gescheitert.

Schamauslösend für mich persönlich war auch das Gefühl, in Deutschland keinen Platz (Raum) zu finden. Ich hatte das Gefühl, wir dürfen nicht einfach sein. Das, was wir tun wollten, was uns entsprach, war verboten, und die möglichen gesellschaftlichen Sanktionen bedrohten die Sicherheit unserer Familie existenziell. Doch wie wirkt es sich auf eine Familie aus, wenn die Umwelt sie auf einmal kriminalisiert?

Dies bewog uns im Gegensatz zu vielen anderen, die in Deutschland bleiben, das Land zu verlassen und nach England zu gehen. Nur um dort die Erfahrung zu machen, dass wir auch hier einer Randgruppe angehören. Während wir mit anderen deutschen Freilernern die mehr oder weniger gleichen Erfahrungen teilten, ist es für Engländer, die mit einer viel größeren Selbstverständlichkeit Home Education machen, viel schwerer nachzuvollziehen, warum wir uns mit manchen Dingen so schwer tun.

Netzwerke

Mit Scham und Beschämung umzugehen, ist nie einfach. Genauer gesagt, ist Scham eines der schmerzhaftesten Gefühle, das wir überhaupt kennen. Und hierfür ist es noch nicht einmal erforderlich, negativ beurteilt oder herabgewürdigt zu werden. Bereits das Gefühl, in der eigenen Wahrnehmung nicht verstanden (und anerkannt) bzw. nicht gesehen zu werden, löst Scham aus. Es ist, als würde unser Körper uns sagen: Das nächste Mal behältst du das besser für dich. Es ist sicherer.

Was also tun? Die meisten Freilerner gehen instinktiv den richtigen Schritt: sie verbinden und solidarisieren sich. Sie informieren sich. Sie holen sich die Bestätigung und das Verständnis, das sie vielleicht in ihrem direkten Umfeld nicht finden konnten. Sie bilden eigene Gruppen.

Und darüber hinaus empfinde ich es selbst immer wieder als extrem wichtig, in größeren Zusammenhängen zu denken. Oder anders gesagt: den Dingen einen Sinn zu geben.

Freilernen – der Blick nach vorne

Sinn und Bedeutung ist ebenfalls ein mächtiges Mittel gegen Scham. Es kann ein Gefühl von Stolz in uns etablieren. Und es kann uns tief mit uns selbst verbinden und uns erden. Warum tun wir, was wir tun? Welche Wünsche, Träume und Hoffnungen treiben uns an?

Sich für den Weg des Freilernens zu entscheiden, erfordert viel und verdient meines Erachtens höchsten Respekt. Bei allen Fehlern und Irrtümern, die wir alle machen.

Frei zu lernen erfordert Mut, Zutrauen, Vertrauen, Ich-Stärke, Entschlossenheit, Durchhaltevermögen, Opferbereitschaft, Kritikfähigkeit, Lernbereitschaft, Kontaktfähigkeit und die Bereitschaft, sich immer wieder selbst zu hinterfragen und neu einzulassen.

Den Dingen (neuen) Wert zuschreiben

Wenn Ihr also wieder einmal an Euch zweifelt oder Euch der Kommentar Eurer Eltern/Nachbarn/Kollegen getroffen hat:
Stellt Euch vor den Spiegel, klopft Euch auf die Schulter und macht Euch klar, was Ihr leistet.

Ihr bahnt neue Wege. Ihr geht voran, ohne genau den Weg zu kennen. Ihr riskiert es, Fehler zu machen. Und Ihr handelt aus Liebe.

Ihr seid wunderbar. Bunt, lebensfroh, erneuernd, kreativ. Ihr findet Lösungen, anstatt in Problemen verhaftet zu bleiben. Ihr zeigt Euch, Ihr tretet für Eure Kinder und für Eure Überzeugungen ein.

Seid stolz auf das, was Ihr tut. Seid stolz aufeinander.
Und wenn Euch der Gegenwind mal wieder eiskalt ins Gesicht weht: seid vor allem stolz auf Euch selbst. Ihr steht noch. Oder wenn Ihr umgefallen seid, steht Ihr wieder auf.

Denn Ihr habt eine Vision. Und diese Vision reicht weiter als bis zum sprichwörtlichen Tellerrand. Diese Vision ist das Fundament unserer Zukunft.

Bleibt verrückt

Bleibt verrückt, unangepasst, stolz und mutig. Geht Euren ureigenen Weg, unbeirrbar. In einer weltweiten Atmosphäre der Scham und Getrenntheit ist es das Beste, was wir zur Heilung dieses Planeten beitragen können.

Ich bin froh, dass es Euch gibt. Und dass wir auf diesem herausfordernden Weg nicht alleine sind.

Buchtipps

Zur Einführung

Stephan Marks: Scham – die tabuisierte Emotion
Für mich das entscheidende Buch zum Thema Scham. Stephan Marks ist Sozialwissenschaftler und bietet auch Fortbildungen zum Thema an, u.a. für Lehrer.

Udo Baer und Gabriele Frick-Baer: Vom Schämen und Beschämtwerden
Schmales Büchlein, das einen guten Einstieg bietet

Victor Chu: Scham und Leidenschaft
Buch eines Gestalttherapeuten, der mit Familienaufstellungen arbeitet

Zur historischen Dimension von Scham

Stephan Marks: Warum folgten sie Hitler? – Die Psychologie des Nationalsozialismus

Für therapeutisch Interessierte

Micha Hilgers: Scham: Gesichter eines Affekts
Gut zu lesender Klassiker eines erfahrenen Psychoanalytikers

Uri Weinblatt: Die Nähe ist ganz nah! Scham und Verletzungen in Beziehungen überwinden
Hervorragendes Buch, um die Dynamik der Scham (vor allem in Gesprächen) besser zu verstehen. Besonders aufschlussreich für therapeutisch Interessierte.

Leon Wurmser: Die Maske der Scham: Die Psychoanalyse von Schamaffekten und Schamkonflikten
Eines der am häufigsten zitierten und umfangreichsten Bücher. Allerdings recht mühsam zu lesen; ich habe es auf halber Strecke beiseite gelegt.

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Inneres Team – Im Dialog mit dir selbst https://sabine-besse.com/inneres-team-dialog/ https://sabine-besse.com/inneres-team-dialog/#comments Tue, 14 Feb 2017 23:31:26 +0000 http://sabine-besse.com/?p=22900/ Sabine Besse

Niemand hat nur ein Gesicht - nein, eine ganze Schar an Persönlichkeitsanteilen schlummert in uns allen. In der Psychologie nennt man dies auch das innere Team. Entwickelt hat dieses Persönlichkeitsmodell der Psychologe Friedemann Schulz von Thun. Doch warum ist es sinnvoll und hilfreich, dein inneres Team kennenzulernen? Jeder kennt das: manchmal sind wir regelrecht mit uns selbst im [...]

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Sabine Besse

Niemand hat nur ein Gesicht – nein, eine ganze Schar an Persönlichkeitsanteilen schlummert in uns allen. In der Psychologie nennt man dies auch das innere Team. Entwickelt hat dieses Persönlichkeitsmodell der Psychologe Friedemann Schulz von Thun. Doch warum ist es sinnvoll und hilfreich, dein inneres Team kennenzulernen?

Jeder kennt das: manchmal sind wir regelrecht mit uns selbst im Clinch. Dabei können wir uns unser Innenleben als regelrechte Bühne vorstellen, die von einer lebhaften Gruppe verschiedener Figuren bevölkert wird. Gemeint sind mit dem inneren Team keine pathologischen Persönlichkeitsspaltungen, sondern eine natürliche Vielfalt innerer Facetten.

Wenn wir uns die Mühe machen, mit diesen verschiedenen inneren “Teammitgliedern” einmal Kontakt aufzunehmen, so entdecken wir vielleicht die Mutter, den Vater, das innere Kind, den Zweifler, den Besserwisser, den Angsthasen, den Draufgänger, den Lehrer, die weise alte Frau oder den Magier in uns.

Inneres Team im Dialog

Doch worin liegt der praktische Wert eines solchen Persönlichkeitsverständnisses? Was habe ich davon, mich nicht nur als eine, sondern als viele verschiedene Personen auf einmal zu begreifen? Das Geheimnis liegt auch hier – wie so oft im Leben – in gelungener Kommunikation. Begreifen (und spüren) wir, dass wir “mehr als einer” sind, können wir mit diesen verschiedenen Persönlichkeitsaspekten auch besser in Kontakt gelangen.

Die Gestalttherapie kennt hierzu eine faszinierende Methode: die Stuhlarbeit. In der Stuhlarbeit kann man entweder verschiedene reale Personen imaginativ auf verschiedene Stühle setzen und miteinander ins Gespräch bringen, oder eben unsere inneren Anteile.

Meldet sich also immer wieder dein nörgelnder Kritiker zu Wort: setz ihn doch einmal gedanklich auf einen Stuhl dir gegenüber – oder vielleicht auch an deiner Seite. Frag ihn, was er zu sagen hat, und gib ihm selbst auch Antwort. Alternativ kannst du dich auch einmal auf seinen Platz setzen bzw. ihn von deinem Platz aus sprechen lassen. Wie fühlt es sich an, der ewige Kritiker oder der ewige Spielverderber zu sein? Oder der Einpeitscher? Oder der Oberlehrer? Wie sieht die Welt aus seiner Warte aus? Welche Vorteile hat eine bestimmte Rolle, und was fühlt sich weniger komfortabel an?

In verschiedene Rollen schlüpfen

Besonders nützlich kann sich eine solche Inszenierung und Unterscheidung innerer Rollen erweisen, wenn wir wiederkehrend mit uns selbst im Konflikt stehen. So beharrt z.B. unser Verstand hartnäckig darauf, dass wir einen bestimmten Weg einschlagen sollten, während unser Herz etwas ganz anderes sagt.

Was aber geschieht nun, wenn du die verschiedenen Mitglieder deines Teams einmal klar benennst und ihnen einen Namen, eine Gestalt oder ein Gesicht gibst? Was, wenn du sie gedanklich einmal frei sprechen lässt (oder ihnen anderweitigen kreativen Ausdruck verleihst), mit ihnen ein Gespräch beginnst oder einem Schlagabtausch zwischen verschiedenen Mitgliedern deines inneren Teams zuhörst? Was haben diese verschiedenen Anteile in dir zu sagen, und welche Funktion erfüllen sie für dich?

Wenn du dieses Experiment einmal wagst, wirst du merken: es geschieht das gleiche, was du mit einem guten Freund, in einer Sportmannschaft oder unter Kollegen erleben würdest: durch Gespräche – und seien sie auch “nur” fiktiv – entsteht Verständnis und mehr Nähe zwischen den Beteiligten, und im günstigsten Fall findet Ihr Lösungen, die für alle vorteilhaft und akzeptabel sind.

Klingt zu abstrakt? Probier es aus!

Sieh es mal so: Deine inneren Teammitglieder verhalten sich (fast) wie reale Personen: sie wollen gesehen, Wert geschätzt, geliebt und gehört werden. Sie handeln nach bestem Wissen und Gewissen und haben in der Regel nur dein Bestes im Sinn.

Mein Bestes?! denkst du jetzt vielleicht. Und wieso boykottiert mich mein innerer Zweifler, mein Kritiker oder mein innerer Lehrer dann immer wieder? Das soll in meinem Interesse sein?

Vor ein paar Tagen las ich auf einem Kalenderblatt noch den Spruch: “Deine Schattenseite ist nur die dunkle Schwester deines Lichts. Sie sehnt sich genauso nach deiner Liebe.” Das gleiche gilt für dein inneres Team. Jeder Anteil in dir will Gehör finden, will seinen Platz in der Gruppe finden. Jeder Teil in dir will seine ureigene Position vertreten (dürfen) und will gebraucht werden und sich wertvoll fühlen. Dazu gehört auch, dass diese inneren Figuren auch unliebsame Gefühle ausdrücken dürfen. Lass zu, dass sie dir auch ihre Verletzung, ihren Ärger, ihre Enttäuschung, ihren Neid usw. zeigen. Wenn du das zulässt, werden sie dir früher oder später auch ihre zahlreichen positiven und liebenswerten Seiten zeigen.

Inneres sichtbar machen

Das Erstaunliche ist: wenn wir uns durch Stuhlarbeit mit diesen inneren Anteilen beschäftigen, erfahren wir einiges über sie. (Falls dir die Vorstellung eines Rollenspiels unangenehm ist oder albern vorkommt, kannst du einen Dialog übrigens auch in schriftlicher Form führen.) Wir erfahren z.B., dass unser Zweifler eigentlich nur Angst um uns hat (und sich aufgrund bisheriger Erfahrungen so und nicht anders verhält) oder dass unser innerer Perfektionist lediglich sicher stellen will, dass wir unsere Aufgabe gewissenhaft erfüllen und unseren Job nicht verlieren.

Leider schießen unsere inneren Teamkollegen – wie ja auch “wir” selbst – oft über das Ziel hinaus. Sie reagieren wie ein reales Gegenüber: verletzt, beleidigt, zurückgewiesen, trotzig, eigensinnig, traurig oder wütend, weil wir von ihnen und ihrem Beitrag zum Ganzen nichts wissen wollen. Weil wir sie ins Dunkel verbannen und ihnen allzu oft den Mund verbieten oder schlichtweg leugnen, dass sie sich überhaupt im Raum (bzw. in uns) befinden.

Doch alle inneren Anteile haben uns Wichtiges zu sagen. Das Stichwort heißt hier “Integration”. Die Kunst besteht darin, diesen oftmals ungeliebten Seiten einmal zuzuhören und sich klarzumachen, dass sie mit uns im selben Boot sitzen. Sie sind Ich. Die Kunst ist, wie auch in einem realen Team, gute Kommunikation zu etablieren. Wertschätzung. Offenheit. Fairness. Transparenz. Und eine gute Portion Verletzlichkeit. So können aus lebenslangen Saboteuren erstaunlich konstruktive und hilfreiche Partner werden.

Wer gehört zu deinem inneren Team?

Welche Mitglieder kannst du in deinem inneren Team identifizieren? Wer sind deine Lieblinge? Von wem willst du überhaupt nichts wissen? Wenn du Schwierigkeiten hast, deine inneren Anteile zu identifizieren, nimm dir doch einfach mal ein paar Märchen oder deine Lieblingsfilme vor. Vielleicht schlummern in dir ein Hans-guck-in-die-Luft, ein Aschenbrödel, der Froschprinz oder eine böse Knusperhexe. Vielleicht gibt es aber auch einen John Wayne in dir, einen Darth Vader oder eine zuckersüße, platinblonde Prinzessin. Egal, wie du deine Teammitglieder nennst oder auf welche Weise du sie identifizierst – versuche, sie wie ein guter Gastgeber gleichermaßen willkommen zu heißen.

Sei neugierig. Versuche, sie kennen zu lernen. Was werden sie dir antworten, wenn du ihnen – vielleicht zum ersten Mal in deinem Leben – die ehrliche und unvoreingenommene Frage stellst: “Und was hast du mir Wichtiges zu sagen?”

Sei empathisch mit dir selbst

Und dann hör zu. Versuche, in die Haut dieser innerer “Persönlichkeiten” zu schlüpfen. Versuche zu verstehen, was sie bewegt und was sie antreibt. Was dich bewegt und antreibt. Es könnte sein, dass du auf diese Weise einige neue und überraschende Dinge über dich erfährst.

 

Bildquelle: King Arthur and the round table, Public Domain, {{PD-1923}}

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Chiron, der verwundete Heiler https://sabine-besse.com/chiron-verwundeter-heiler/ https://sabine-besse.com/chiron-verwundeter-heiler/#comments Tue, 29 Nov 2016 14:10:57 +0000 http://sabine-besse.com/?p=20398 Sabine Besse

Wer sich mit Mythologie oder Astrologie beschäftigt, begegnet ihm früher oder später: Chiron, dem verwundeten Heiler. Doch dieser griechische Archetyp ist mehr als eine verstaubte Anekdote oder ein Objekt astrologischer Deutung. Chiron ist ein mächtiges Symbol unserer Zeit. Mich zog er vom ersten Moment in seinen Bann. Chiron in der Mythologie - Symbol unserer Zeit In der griechischen [...]

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Sabine Besse

Wer sich mit Mythologie oder Astrologie beschäftigt, begegnet ihm früher oder später: Chiron, dem verwundeten Heiler. Doch dieser griechische Archetyp ist mehr als eine verstaubte Anekdote oder ein Objekt astrologischer Deutung. Chiron ist ein mächtiges Symbol unserer Zeit. Mich zog er vom ersten Moment in seinen Bann.

Chiron in der Mythologie – Symbol unserer Zeit

In der griechischen Mythologie ist Chiron (oder Cheiron) der Sohn des Chronos und ein Halbbruder Zeus´. Er ist ein Centaur, ein Mischwesen aus Pferd und Mensch, und wird wegen seiner Gestalt von seiner Mutter zurückgewiesen und in einer Höhle zurückgelassen. Doch Chiron bleibt nicht lange allein. Sonnengott Apollo adoptiert ihn und lehrt ihn die Kunst der Heilung, Medizin und Dichtkunst.

Chiron wird ein berühmter Heiler und Lehrer. Doch seine eigenen Wunden kann er nicht heilen. Als ob die Ablehnung seiner Eltern noch nicht ausreiche, wird er auch noch versehentlich von einem vergifteten Pfeil seines Freundes Herkules getroffen. Da er unsterblich ist, leidet er unsägliche Qualen und findet erst Frieden, als er für einen anderen (Prometheus) seine Unsterblichkeit opfert und dessen tödliche Schuld auf sich nimmt.

Chiron in der Astrologie

In die Sternenkunde hielt Chiron am 18. Oktober 1977 Einzug, als Charles Kowal einen großen Asteroiden mit einer stark exzentrischen Bahn entdeckte. Manche feierten die Entdeckung als den “zehnten Planeten”, und der Himmelskörper erhielt den Namen seines griechischen Vorbildes.

Historisch fällt die Entdeckung des Asteroiden Chirons in eine Zeit, in der ganzheitliche Medizin und ganzheitliches Denken begannen, sich immer mehr auszubreiten. Im Horoskop steht Chiron für unsere tiefste, geheimste Wunde und für verdrängte Anteile. Interessanterweise gleicht sein astronomisches Symbol einem Schlüssel.

Chiron und Achilles, Quelle: commons.wikimedia.org

Der Chiron in uns

Im gleichen Maße, wie ganzheitliche Ideen sich ausbreiteten, wurden Psychologie und Psychotherapie ein immer selbstverständlicherer Teil unseres Lebens. Viele Menschen machten sich auf die Suche. Sie wandten sich nach den Herausforderungen und Traumen der Kriegszeit verstärkt nach innen und versuchten, nicht nur ihre persönliche, sondern auch ihre Familiengeschichte und ihren historischen Hintergrund zu erforschen und besser zu verstehen. Doch da, wo viel Schaden entstanden ist, gibt es auch viel zu heilen.

Inzwischen stellen Menschen aller Altersgruppen ihr Leben auf den Kopf und hinterfragen sich und die Umwelt um sich, in bemerkenswertem Umfang darunter auch Menschen fortgeschrittenen Alters. Immer mehr Senioren nehmen Beratung oder Therapie in Anspruch, räumen ihr Leben auf oder lösen sich aus jahrzehntelangen Ehen und Lebenskonzepten.

Unsere kollektiven und persönlichen Wunden zeigen sich derweil überall. Wir finden sie in unserem gestörten Verhältnis zur Natur, zu den Tieren, zu unserer Arbeit, unseren Ressourcen, zu unseren näheren und entfernteren Nachbarn. Arno Grün nannte dies den Verlust des Mitgefühls.

Zwischen dem Alten und dem Neuen

Und so erleben wir im Moment eine Generation “dazwischen”, einen äußerst schmerzhaften Übergang. Genauer gesagt umfasst er mehr als eine Generation. Er betrifft uns alle: die aktuelle Elterngeneration ebenso wie ihre Eltern und ihre Kinder.

Eine sehr treffende Beschreibung habe ich in dem Buch “Indigo-Erwachsene” gefunden. Äußerlich sind wir vom Alten geprägt, ja regelrecht in ihm gefangen. Innerlich erfüllt uns das Neue. Doch wir sind nicht nur der Wandel. Wir bezeugen ihn auch. Der Wandel kommt durch uns und mit uns.

Von der Schwierigkeit, dazwischen zu sein

Die Schwierigkeit, die unserem Zeitgeist innewohnt, ist ebenjene Zerrissenheit zwischen Alt und Neu. Besonders deutlich spüre ich dies als Mutter. Und ich erlebe es bei vielen, ja dem überwiegenden Teil der Eltern. Wir ringen. Heftig. Mit dem Alten. Mit dem Neuen. Und mit uns selbst.

Das Schwierige, wenngleich Dankbare an dieser Rolle ist die “Doppelbelastung”, d.h. die doppelte Aufgabe, die damit verbunden ist. So begegnen immer mehr Eltern ihrer eigenen Bedürftigkeit, ihrem inneren, zutiefst verwundetem Kind, während sie gleichzeitig als biologische Eltern bereits die Verantwortung für den Nachwuchs tragen.

Ich kenne viele, für die diese doppelte Aufgabe ein wahrer Kraftakt und eine fortwährende Herausforderung ist. Eine Herkulesaufgabe (da ist sie wieder, die Mythologie). Und die Anforderungen sind nicht gering: Es erfordert Bewusstsein(sarbeit), Balance, die Fähigkeit zur Selbstreflexion und Selbstdistanz, Einsicht, Weitsicht, Empathie, Bereitschaft zum Wandel und die Fähigkeit und Notwendigkeit, sich selbst zu heilen bzw. sich entsprechende Hilfe zu suchen. Vor allem aber erfordert es die Bereitschaft, sich Generationen alter Schmerzen zu stellen. Wir sind eine Generation verwundeter Heiler. Wir leben vorwärts und heilen rückwärts.

Auch diese Einsicht schmerzt mich zutiefst. Ich war – reichlich naiv, aber voll guten Willens – angetreten, um meine Kinder möglichst unbeschadet durch die Kindheit zu geleiten. Und auch wenn es mir gelungen ist, vor meiner ersten Schwangerschaft die dicksten Stolpersteine aus dem Weg zu räumen, so blieben noch immer reichlich Steine übrig. Sie säumen unseren Weg, und es vergeht kaum ein Tag, an dem ich mir nicht schmerzhaft den Zeh stoße an vergessenen, verworfenen oder achtlos weggeworfenen alten Trümmern.

Eine Generation der Heiler

Aber wir sind eine Generation der Heiler. Ich kenne viele, und es werden immer mehr. Die Kunst, die wir zu meistern angetreten sind, ist eine neue Balance zu finden zwischen Innenschau und Außenwirkung, Selbstbezogenheit und Dienst am anderen.

In einem Leben können wir nicht alle Probleme lösen, die über Jahrhunderte hin angehäuft wurden. Das ist unmöglich. Aber wir können die Wende einleiten. Wir können die Weichen stellen. Doch wie bei Chiron erfordert dies ein Opfer. Wir müssen uns unseren Wunden zuwenden und unseren verdrängten Anteile stellen.

Wir müssen den verstoßenen Sohn heim holen und lernen, den Chiron in uns mit neuen, liebenden Augen zu sehen.

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Wie du mit guten Texten mehr Leser gewinnst https://sabine-besse.com/bessere-texte-mehr-leser/ https://sabine-besse.com/bessere-texte-mehr-leser/#comments Mon, 24 Oct 2016 12:12:19 +0000 http://sabine-besse.com/?p=20731 Sabine Besse

Für Leser schreiben Wie bringe ich Leser dazu, regelmäßig meine Blogs zu lesen? Was macht einen Text lesenswert? Dies sind Fragen, die sich so mancher Blogger schon gestellt hat. Ob journalistisches Basiswissen oder Schreibratgeber: Profi-Tipps gibt es an jeder Ecke. Doch worauf kommt es wirklich an? Am wichtigsten ist ein interessantes Thema - und ein gut geschriebener Text. Doch welche Schreibtipps bewähren sich [...]

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Sabine Besse

Für Leser schreiben

Wie bringe ich Leser dazu, regelmäßig meine Blogs zu lesen? Was macht einen Text lesenswert? Dies sind Fragen, die sich so mancher Blogger schon gestellt hat. Ob journalistisches Basiswissen oder Schreibratgeber: Profi-Tipps gibt es an jeder Ecke. Doch worauf kommt es wirklich an?

Am wichtigsten ist ein interessantes Thema – und ein gut geschriebener Text. Doch welche Schreibtipps bewähren sich in der Praxis? Was kann auch wenig Geübten helfen, um mit wenig Aufwand signifikant bessere Ergebnisse zu erzielen? 

Ich habe meine persönliche Schatzkiste für dich durchforstet und dir meine besten Tricks und Techniken zusammengestellt.

Schreibe simpel

So banal es auch klingen mag, aber ich finde es absolut essenziell, einfach zu schreiben. Du willst in erster Linie verstanden werden, oder? Also mach es deinem Leser leicht und überlass das hochgestochene Gefasel anderen.

Die beste Methode, dies zu erreichen, ist kurze Sätze zu verwenden. Und lass die Fremdwörter weg. Meister dieser Kunst ist der Journalist Günter Wallraf. Er wurde einmal von einem Leser gelobt, man könne seine Bücher so einfach lesen wie die Bildzeitung. Schneide dir davon eine dicke Scheibe ab!

Simpel heißt nicht flach, reißerisch oder banal. Simpel bedeutet nur, dass du deine Botschaft so klar und präzise wie möglich formulierst. Sag, was du zu sagen hast. Schreibe sprachlich einfach und klar und inhaltlich so anspruchsvoll, wie du möchtest. Rede nicht um den heißen Brei herum. Komm zum Punkt. Kurz und knapp.

Wenn du dazu neigst, ausschweifend zu schreiben, diszipliniere dich selbst. Kürze, was das Zeug hält. So lange, bis jedes einzelne Wort Gewicht und Bedeutung hat.

Schachtelsätze kannst du oft in ein oder zwei kürzere Sätze zerlegen. Probier es aus und teste die Wirkung.

Sag das Wichtigste zuerst

Sag deinem Leser bereits in der Überschrift und im ersten Satz, worum es geht. Dies ist eine Regel aus der Pressearbeit. In einem Presseartikel bringt man das Wichtigste zuerst und das, was notfalls gestrichen werden darf, weiter hinten.

Doch diese Regel ist nicht nur für Pressetexte hilfreich. Leser sind ungeduldig, leicht ablenkbar und sprunghaft. Und sie lesen oft nicht mehr als den ersten Satz. Also: nutze deine Chance. Komm zur Sache. Und zwar sofort.

Ködere deinen Leser im ersten Absatz

Wirf deinem Leser einen Haken hin. Schildere einen Konflikt oder ein Hindernis. Wirf eine relevante Frage auf. Mach ihn neugierig.

“Heute morgen schlug ich die Augen auf und wusste: ich muss es endlich tun.”
(Frage: Was musst du tun? Und warum? Wer bist du überhaupt? Warum hast du so lange gezögert, “es” zu tun? Und was hat dich dazu gebracht, deine Meinung über Nacht zu ändern?)

Dann lass deinen Leser bis zum letzten Absatz zappeln – oder fast. Erst am Ende – und nur dort – darfst du ihm die ungeduldig erwartete Antwort geben. Zwischendurch erinnere ihn an den Konflikt oder die aufgeworfene Frage und streu ihm mehr “Futter” hin. Gib ihm Teilantworten. Lege Fährten. Aber mach ihn nicht vollständig satt. Die letzte große Frage beantwortest du erst ganz am Schluss. Danach verliert der Leser nämlich rasch das Interesse. Lass ihn nicht vom Haken!

Dies ist ein Trick aus der Handwerkskiste der Romanautoren. Das Geheimnis so genannter “Page-Turner” (Texte, die du nicht aus der Hand legen kannst) besteht genau darin: immer neue Fragen aufzuwerfen und sie nie vollständig zu beantworten. Die große Auflösung hebst du dir bis zum Schluss auf.

Beantworte alle W-Fragen

Beantworte im Laufe deines Textes alle W-Fragen:
Wer? Was? Wie? Wo? Wann? Warum?

Damit gibst du deinem Leser alle wichtigen Informationen zu deinem Thema. Wenn du möchtest, mach du dir vorher eine kurze Liste.

  • Wer bin ich, bzw. um wen geht es in meinem Text?
  • Was ist mein Thema?
  • Wo, wie und wann geschehen die Dinge, die ich beschreibe?
    (Das gibt dem Leser eine räumliche und zeitliche Orientierung)
  • Und die vielleicht wichtigste Frage:
    Warum ist das Thema für mich bzw. den Leser relevant?

Versuche es. Es ist ganz einfach und gibt dir einen klaren Fahrplan für deinen Text. Auch diese Regel ist den Journalisten abgeguckt. Sie gehört zu den Grundlagen jedes guten Textes und hilft dir, einen Artikel zu gliedern bzw. auf Vollständigkeit zu überprüfen.

Du musst die W-Fragen übrigens nicht in der genannten Reihenfolge beantworten. Entscheide selbst, was nach vorne soll. Lass dich davon leiten, was dir am Wichtigsten ist.

Es kann sehr wirkungsvoll sein, mit dem “Warum?” zu beginnen. Leser interessieren sich für die Motivationen anderer Menschen und wollen außerdem wissen, warum sie deinen Artikel unbedingt lesen sollten. Was ist ihr Lohn, Vorteil oder Gewinn? Warum ist das Thema so wichtig? Was steht für dich und für sie auf dem Spiel?

 

Benutze aktive Verben

Texte sind ein Spiegel unserer Wirklichkeit. Mach sie lebendig, indem du aktive Verbkonstruktionen verwendest. Aktive Menschen sind uns auch im echten Leben sympathisch; nutze dies für deine Texte.

Anstatt eine Person wie ein unbeteiligtes Objekt erscheinen zu lassen (“mir wurde das Glas gereicht“) lass eine Person aktiv handeln: “Er reichte mir das Glas.” Oder auch: “Mit einem Kopfnicken nahm ich das Glas entgegen.”

Passiv-Konstruktionen erkennst du an den Hilfsverben “werden” oder “sein” in Verbindung mit einem Verb, dem die Silbe ge- vorangestellt wird (“die Tür ist geöffnet”, “ich werde gemustert”). Aktive Verben wirken viel stärker, da sie eine visuell vorstellbare Handlung beschreiben.

Zudem erfordern aktive Verben, dass du eine handelnde Person benennst (“Wer?”), was im Passiv nicht der Fall ist. Handelnde Personen erzeugen Identifikation, Aktion und Interesse.

 

Kill your darlings – streiche deine Lieblingswörter

Wenn wir sprechen, benutzen wir viele Füllworte. Doch diese Worte tragen nichts zu unserer Aussage bei. Im Gegenteil. Sie verwässern das, worauf wir die Aufmerksamkeit lenken wollen. Der Leser findet vor lauter Füllwörtern deinen Kerngedanken nicht mehr. Das ist anstrengend und ermüdend. Er wendet sich ab.

Ich weiß, wovon ich spreche. Es ist schwer, sich von seinen Lieblingen zu trennen. Sie schleichen sich auch in meine Texte, immer wieder.

Überprüfe ein paar deiner Sätze kritisch, Wort für Wort. Auf welche kannst du verzichten, ohne den Inhalt zu verändern? Wenn du sämtliche irgendwie, vielleicht, dabei, gar, ja und auch streichst – wird dein Text stärker oder schwächer? Es gibt eine stattliche Anzahl an Füllwörtern. Lerne sie kennen und entferne sie systematisch.

Achtung, Falle! Du magst dich anfangs unbehaglich fühlen, deine Worte so nackt und schnörkellos auf dem Papier zu sehen. Jetzt ist die Stunde der Wahrheit. Kannst du zu dem stehen, was du sagen willst?

Jeder von uns hat seine eigenen Lieblinge. Identifiziere deine oder gib deinen Text einer anderen Person zu lesen. Einen guten Text zu schreiben ist wie Bildhauerei. Mit jedem gelöschten Wort gibst du deiner Aussage markantere Züge.

Nur Mut! Es kostet anfangs Überwindung, Worte zu streichen. Aber deine Leser werden es dir danken.

 

Sprich alle Sinne an

Die nächsten beiden Tipps können durchaus als fortgeschrittene Methoden durchgehen. Aber es lohnt sich, sie auszuprobieren.

Sprich in deinen Texten alle Sinne an, nicht nur das Sehen und Hören. Meisterin sinnlicher Schreibweise ist die amerikanische Bestsellerautorin Diana Gabaldon. Sie erweckt wie keine andere ihre Geschichten durch sprechende Details zum Leben.

Beschreibe nicht nur, wie die Dinge aussehen. Lass sie deinen Leser auch schmecken, riechen und fühlen. Wie fühlte sich dein alter Teddy an deiner Wange an? Kratzig, samtweich oder rauh? Roch er nach Mottenkugeln, nach dem Kaminfeuer in eurem Wohnzimmer oder wie frisch gewaschen?

Menschen neigen dazu, auf einem der Sinneskanäle besonders aufnahmefähig zu sein. Ich bin ein sehr visueller Mensch. Also muss ich mich immer wieder daran erinnern, dass ich auch Lesern, die gut hören oder die Welt über den Tastsinn erfassen, ausreichend Reize und Informationen liefere.

 

Erzeuge den Eindruck von Bewegung

Unsere Wahrnehmungsgewohnheiten sind in den letzten Jahrzehnten immer mehr durch Film und Fernsehen geprägt worden. Heutige Leser sind es gewohnt, bewegte Bilder zu sehen.

Du kannst dir diese Gewohnheit zunutze machen und auch sprachlich dafür sorgen, dass der Eindruck von Bewegung entsteht. Während der Satz “Ich stand vor unserem großen Apfelbaum” eher einem statischen Foto entspricht, lässt die Formulierung “Die Bäume bogen sich unter dem peitschenden Wind, und mit aller Kraft presste ich mich an meinen geliebten Apfelbaum” eine regelrechte Bewegungssequenz entstehen.

Versuche, vor dem Auge deines Lesers einen Film abzuspielen. Erwecke deinen Text mit bewussten, sprechenden Details zum Leben. Dies erzeugt Dynamik, Spannung und ein Gefühl von Bewegung.

 

Sei authentisch

Menschen haben, heutzutage mehr denn je, ein Gespür dafür, ob das, was du schreibst, echt und authentisch ist. Authentizität schafft Vertrauen und macht dich sympathisch.

Es erfordert allerdings auch Mut, authentisch zu sein. Texte zu veröffentlichen, ist immer ein persönliches Unterfangen. Und in diesen Texten sichtbar – und damit angreifbar – zu werden, ist nicht jedermanns/frau Sache.

Aber glaube mir: es lohnt sich. Es ist nahezu unmöglich, jemanden unsympatisch zu finden, dessen persönliche Geschichte man kennt.

 

Greife am Ende den Anfang wieder auf

Diese Methode finden wir sowohl in Büchern als auch in Filmen. Im Film spricht man auch vom Eröffnungsbild und vom Schlussbild. Damit hilfst du dem Gedächtnis deines Lesers auf die Sprünge. Wo waren wir gestartet? Ach ja … und hier sind wir angekommen.

Das erleichtert dem Leser, den Spannungsbogen deines Textes im Ganzen zu erfassen. Vorher – Nachher. Das bleibt im Gedächtnis. Zudem sorgst du für ein Gefühl der Geschlossenheit. Der Kreis schließt sich. Das erzeugt ein Gefühl von Befriedigung.

 

Feile an deinem letzten Satz

Der letzte Satz ist es, der deinem Leser im Gedächtnis bleibt. Sorge dafür, dass er unvergesslich ist.

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Freilernen in England https://sabine-besse.com/freilernen-in-england/ Mon, 10 Oct 2016 16:02:57 +0000 http://sabine-besse.com/?p=21652 Sabine Besse

Freilernen in England Ein Erfahrungsbericht Für Familien, die ihren Kindern selbstbestimmtes Lernen ermöglichen wollen, ist Freilernen in England eine ernsthafte und häufig erwogene Option. Doch leichtfertig trifft wohl niemand so eine weitreichende Entscheidung. Fundierte Informationen und möglichst vielseitige Eindrücke erleichtern die Entscheidungsfindung. Freilernen in England – eine legale Bildungsmöglichkeit Die Home Education-Szene ist [...]

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Sabine Besse

Freilernen in England

Ein Erfahrungsbericht

Für Familien, die ihren Kindern selbstbestimmtes Lernen ermöglichen wollen, ist Freilernen in England eine ernsthafte und häufig erwogene Option. Doch leichtfertig trifft wohl niemand so eine weitreichende Entscheidung. Fundierte Informationen und möglichst vielseitige Eindrücke erleichtern die Entscheidungsfindung.

Freilernen in England – eine legale Bildungsmöglichkeit

Die Home Education-Szene ist in England durch die andere Gesetzeslage viel heterogener und bunter als in Deutschland. In Großbritannien liegt die Bildung des Kindes in der Verantwortung der Eltern und kann im klassischen Schulsystem oder auch “otherwise” (auf andere Weise) realisiert werden. Entsprechend selbstverständlich nehmen die Engländer die Möglichkeit der Home Education in Anspruch.

Neben der Wahl, die Kinder komplett zu Hause lernen zu lassen, gibt es die Möglichkeit des so genannten Flexischoolings. In diesem Fall besucht ein Kind für eine bestimmte Zeit oder ausgewählte Fächer in der Woche eine reguläre Schule. Die Schulleitung ist jedoch nicht verpflichtet, dem zuzustimmen, und so geschieht Flexischooling immer in Absprache mit einer Schule der Wahl.

Kontrollen, Prüfungen oder vorgeschriebene Curricula für Home Educators gibt es nicht. Auch eine Meldepflicht existiert nicht. Behördenkontakte kommen vereinzelt vor, und zwar in der Regel dann, wenn man ein Kind aus der Schule abmeldet. Hat man es gar nicht erst angemeldet, bleibt man zumeist unbehelligt.

Während man in Deutschland schon eine gehörige Portion Idealismus, Entschlossenheit und Mut aufbringen muss, um sich als Freilerner zu bekennen und sich den alltäglichen Hindernissen zu stellen, betrachten es viele Engländer als ihr natürliches Recht, Kinder auch zu Hause lernen lassen zu dürfen. In den Home Education-Gruppen findet sich daher ein echter Querschnitt der Bevölkerung. Die Lebensstile und Ansichten sind so unterschiedlich wie die persönlichen Geschichten und Motivationen, Home Education zu betreiben. Erzählen wir hingegen von der Situation in Deutschland, sind die Menschen häufig erstaunt bis empört, dass der Staat in Deutschland sich so vehement einmischt.

Home Education auf die englische Art

Dennoch spürt man hier auch unter Home Educators noch den Einfluss der strengen englischen Schulen. In Deutschland wird nach meiner Wahrnehmung die Freilern-Szene überwiegend vom Unschooling dominiert. Der Lebensstil ist häufig linksalternativ, und Freilerner-Treffen sind oftmals eher informell organisiert.

Die Angebote in England für Freilerner sind – jedenfalls in unserer Region – viel strukturierter und schulähnlicher, als ich es vor dem Hintergrund unser deutschen Erfahrungen erwartet hätte. Es gibt zahlreiche Kurse und Angebote, die von Kochkursen über Theater, Exkursionen, Wissenschafts- und Malkurse reichen. Für ältere Kinder besteht die Möglichkeit, so genannte GCSE (General Certificate of Secondary Education) abzulegen. Hierbei handelt es sich um Abschlussprüfungen in einzelnen Fächern, die einen zum Besuch eines Colleges oder einer Universität befähigen. Je nach Studienfach sind unterschiedliche Kombinationen mehrerer GCSE erforderlich. Schüler absolvieren in der Regel Prüfungen in acht bis fünfzehn Fächern.

Im Laufe der Zeit habe ich mehrfach gehört, dass Home Educators in Großbritannien offenbar sehr gerne an Universitäten und Colleges genommen werden, da man davon ausgeht, dass diese sehr eigenständig und motiviert lernen.

Der überwiegende Teil meiner Bekannten betreibt ein Minimum an Unterricht und orientiert sich zumindest grob am schulischen Curriculum. Die Autonomous Learners (Unschooler) sind in der Minderheit. Wir selbst unterrichten gar nicht. Das Lernen geschieht im Tun und im Gespräch.

Persönliche Erfahrungen

Wir selbst sind im Mai 2013, einige Monate vor Schuleintritt meines älteren Sohnes, mit Sack und Pack nach Südengland gezogen. Drei Hauptgründe waren bei dieser Entscheidung ausschlaggebend.

  1. Erstens wollten wir so frei wie möglich, d.h. ohne staatliche Kontrollen oder Prüfungen, leben.
  2. Zweitens beherrschen sowohl mein Mann als auch ich fließend die Landessprache und
  3. drittens erhielt mein Mann auf Nachfrage die Möglichkeit, über seine deutsche Firma einen Arbeitsplatz in Großbritannien zu bekommen.

Für mich spielte ebenfalls eine Rolle, dass Großbritannien – noch – zur EU gehört und wir als EU-Bürger automatisch Arbeits- und Wohnrecht genießen. Eine Auswanderung nach Kanada, die wir damals ebenfalls erwogen, schied für mich wegen des aufwändigen und langwierigen Bewerberverfahrens, aber auch aufgrund der hohen Kosten, aus.

Standort

Doch zuerst galt es natürlich, eine grundsätzliche Entscheidung zu treffen. Konnten wir uns überhaupt vorstellen, in England zu leben? Fühlten wir uns dort wohl? Würden wir einen Ort finden, in dem wir Wurzeln schlagen konnten? Und vor allem: gefiel uns England? Ich kannte Großbritannien vorher überhaupt nicht, sieht man von einem fünftägigen London-Aufenthalt einmal ab.

Um ein Gefühl für Land und Leute zu bekommen, bereisten wir 2012 drei Wochen lang die Insel, von Nord bis Süd. Bereits zu diesem Zeitpunkt nahm ich Kontakte mit britischen Home Educators auf, und wir trafen einige Familien, um Einblicke in die hiesige “Szene” zu bekommen. Dabei erfuhr ich auch, dass die einzelnen Grafschaften (Counties) als unterschiedlich Home Education-freundlich gelten.

Bedingt durch den Job meines Mannes waren wir relativ flexibel in der Standortwahl. London war für uns ein wichtiger Bezugspunkt, da dort – ähnlich wie in Paris – sehr zentralisiert der Löwenanteil des Business geschieht. Aber auch eine andere größere Stadt wie Edinburgh oder Bristol wäre in Frage gekommen, vorausgesetzt es gab dort genügend Firmen.

Fündig wurden wir schließlich in Hampshire im Süden Englands, etwa eine Zugstunde westlich von London entfernt. Mir gefiel das Wetter, und auch die Wege nach Deutschland waren nicht weiter als nötig. Dieses County genoss zudem einen guten Ruf, was den Umgang mit Home Educators betraf; ein Faktor, der mir wichtig war, weil ich damals noch nicht beurteilen konnte, ob wir in Kontakt mit Behörden kommen würden (was bislang nicht geschah).

Der Nachteil: Die Hauspreise sind im Süden saftig. Dabei gilt: je näher an London, desto teurer. Und der “Speckgürtel” von London reicht weit. Bis zu zwei Stunden Pendeln sind keine Seltenheit. In unserer Nähe werden gerade riesige Neubauviertel gebaut. Viele Zugezogene kommen aus der Nähe Londons und weichen immer weiter gen Westen aus. Sogar Bristol hegt offensichtlich Pläne, eine Schnellverbindung bis London zu bauen.

Wir konnten uns diesen Standort durch den gut bezahlten Job meines Mannes erfreulicherweise leisten. Unsere Hoffnung, dass sich vielleicht auch andere deutsche Freilerner in unserer Nähe ansiedeln würden, erwies sich jedoch als trügerisch. Eine Reihe von Bekannten und Freunden zog weiter, um sich weiter westlich oder nördlich in günstigeren – und beschaulicheren – Regionen niederzulassen.

Haussuche und Umzug

Da die englischen Häuser deutlich kleiner und leichter gebaut sind als in Deutschland und auch die Gärten oftmals eher an Kaninchenställe erinnern, verbrachten wir im Folgenden rund ein Jahr damit, unseren Hausstand zu reduzieren und den Umzug vorzubereiten. Es galt zahlreiche Fragen zu klären wie die Fortführung deutscher Verträge, Krankheitsschutz, Hausrat- und Haftpflichtversicherung, Alterssicherung und einiges mehr. Darüber hinaus stießen wir Möbel ab, die für englische Deckenhöhen entweder zu hoch waren oder in den Wänden unseres neuen Zuhauses hätten verschraubt werden müssen.

Unser aktueller Vermieter ist sehr entspannt, wenn es darum geht, im Haus in die Wände zu dübeln. Unser erstes Haus, ein Reihenendhaus, wurde jedoch von einer Agentur betreut, und wir mussten für jeden einzelnen Dübel eine schriftliche Erlaubnis einholen. (Angesichts der Tatsache, dass die englischen Häuser innen im Wesentlichen aus Rigips bestehen, eine durchaus verständliche Maßnahme).

Gewöhnungsbedürftig war auch, dass wir etwa alle sechs Monate mit einem Hausbesuch kontrolliert wurden  – von der Vermietungsagentur, wohlgemerkt. Zu schlecht ist wohl der Ruf englischer Mieter (die meisten Engländer kaufen, wenn sie können), und zu schlecht die Erfahrungen. Seit unserem Umzug in ein größeres, freistehendes Haus bleibt uns dieser Eingriff in die Privatsphäre glücklicherweise erspart.

Keller gibt es hier in der Regel auch nicht, so dass wir ziemlich viel verschenkten und verkauften. Den Umzug konnten wir über die Firma meines Mannes abwickeln, so dass wir mit Zolleinfuhr, Transport etc. nur bedingt etwas zu tun hatten. Dennoch mussten wir für den Zoll eine Liste mit dem groben Inhalt aller Umzugskartons aufstellen (“Bücher”; “Küchenutensilien” etc.); darauf wies uns die Spedition hin.

Die Häusersuche führten wir online durch. Streetview erwies sich als sehr hilfreich, wenn es darum ging, die Lage eines Objektes zu beurteilen. Etwa sechs Wochen vor dem anvisierten Umzug vereinbarten wir mit Maklern Besichtigungstermine (früher erscheinen die Objekte in der Regel nicht auf dem Markt), besichtigten innerhalb von vier Tagen mehrere Häuser und entschieden uns für eins.

Die Überprüfung seitens der Agentur, ob wir als Mieter geeignet und solvent sind, verlief ebenfalls reibungslos, so dass wir einige Wochen später wie geplant umziehen konnten. Dass wir uns bereits von Deutschland aus über die Offshore-Bank Lloyds TSB um ein englisches Konto bemüht hatten, erwies sich nun als äußerst wichtig.

Kulturschock

Im neuen Land anzukommen war zuerst eine große Befreiung. Ich hatte das Gefühl, wieder atmen zu können und einen Platz gefunden zu haben, wo wir sein können. Dennoch war der Umzug ein kultureller Schock. Während die Kinder sich durch die noch bruchstückhaften Sprachkenntnisse überraschend scheu zeigten, kämpften wir Erwachsenen mehr mit den Botschaften “zwischen den Zeilen”.

Die Engländer sind ja bekannt für ihre Höflichkeit, und uns wurde mehrfach berichtet, dass die Direktheit der Deutschen oft als rüde empfunden wird. Viel entscheidender war aber die Erfahrung, dass man erst die ungeschriebenen Gesetze kennen und verstehen lernen muss. Bei einem Deutschen kann ich in der Regel recht gut abschätzen, wie eine Reaktion zu verstehen ist. Was aber bedeutet es, wenn ein Engländer eine Einladung ausspricht? Ist er nur höflich, oder meint er es auch so?

So gesehen haben wir die Erfahrung gemacht, die wohl jeder macht, der seinen Wohnsitz in ein Land verlegt, in dem er nicht aufgewachsen ist. Die Unterschiede sind oft nicht groß, aber entscheidend. Mit den damit verbundenen Unsicherheiten muss man erst einmal umgehen lernen. So habe ich es mir zur Angewohnheit gemacht, bei Bedarf eine englische Bekannte beiseite zu nehmen und sie zu fragen, was in einer bestimmten Situation als angemessen und üblich gilt.

Brexit

Einige Worte muss ich leider auch dem Brexit widmen. Er hat mich – obwohl ich ihn kommen sah – zutiefst erschüttert. Es ist eine Sache, ins Ausland zu gehen und sich ein neues Leben aufzubauen. Aber es ist eine ganz andere, wenn man sich plötzlich nicht mehr sicher ist, ob man in dieser neuen Heimat überhaupt noch erwünscht ist.

Das Referendum über den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU im Sommer 2016 hat – zumindest kurzfristig – eine recht heftige Welle der Fremdenfeindlichkeit in England ausgelöst. So wurde eine Bekannte im Lidl, einem immerhin deutschen Supermarkt, von einem anderen Kunden an der Kasse gefragt, wann sie denn nun endlich nach Hause gehen würde. Glaubt man den Medien, wurden zudem vorzugsweise Polen Zielscheibe verbaler und physischer Angriffe. Angst und Fremdenfeindlichkeit sind nicht nur in Deutschland ein wachsendes Problem.

Neben den Themen Flucht, Heimatverlust und Fremdenfeindlichkeit hat der Brexit aber vor allem auch mein neu gewonnenes Sicherheitsgefühl erschüttert. Fakt ist, dass nach wie vor weitgehend unklar ist, wann, wie und zu welchen Bedingungen der EU-Austritt erfolgen soll.

Da wir bereits seit über drei Jahren im Lande sind, nach jetziger Rechtslage in zwei Jahren einen Anspruch auf dauerhaften Wohnsitz erworben haben werden und finanziell vollständig für uns sorgen können, haben wir wahrscheinlich recht gute Chancen, bleiben zu können. Anders sieht die Situation für Familien aus, die beispielsweise staatliche Zuschüsse erhalten, weil die Familieneinkünfte nicht ausreichen, um die Lebenshaltungskosten zu bestreiten. Auch wie sich Neuzuwanderung gestalten wird, ist offen. Klar scheint zu sein, dass ein Großteil der Brexit-Wähler vor allem das Thema Zuwanderung stoppen wollte. Ob und inwieweit es zukünftig “Zuwanderer erster oder zweiter Klasse” geben wird, ist ebenfalls unklar.

Wer sich noch weiter informieren will, den lade ich ein, unser E-Book Kompaktführer Auswandern nach England und Großbritannien zu erwerben.

Mein Mann hat auf rund 60 Seiten die verschiedenen Aspekte einer Auswanderung nach England prägnant und übersichtlich zusammengefasst – zum Planen, Nachschlagen und Wiederlesen.

Viel Spaß beim Auswandern!

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Sich zeigen oder: Soll ich wirklich vor den Vorhang treten? https://sabine-besse.com/sich-zeigen/ https://sabine-besse.com/sich-zeigen/#comments Sun, 28 Aug 2016 13:39:30 +0000 http://sabine-besse.com/?p=21076 Sabine Besse

Sich zu zeigen ist nicht leicht. Für mich gewiss nicht. Auf einer Bühne zu stehen und den Text nicht zu kennen ist ein wiederkehrendes Thema meiner Alpträume. Doch warum fällt es manchen so schwer, sich zu zeigen, während andere scheinbar mühelos und ohne Angst auf jede Bühne klettern?  Natürliche Begabung, könnte man meinen. Sicher sind auch unser Temperament und [...]

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Sabine Besse

Sich zu zeigen ist nicht leicht. Für mich gewiss nicht. Auf einer Bühne zu stehen und den Text nicht zu kennen ist ein wiederkehrendes Thema meiner Alpträume. Doch warum fällt es manchen so schwer, sich zu zeigen, während andere scheinbar mühelos und ohne Angst auf jede Bühne klettern? 

Natürliche Begabung, könnte man meinen. Sicher sind auch unser Temperament und unsere Veranlagung nicht bedeutungslos. 

Worauf ich jedoch euer Augenmerk lenken möchte, ist eine simple, aber bedeutsame Tatsache. Unser Wille, uns zu zeigen, steht in direktem Verhältnis zu den Erfahrungen, die wir damit gemacht haben. Klingt einleuchtend, oder?

Wann, wo und wie zeigen wir uns?

Solange wir nicht über Harry Potters Unsichtbarkeitsumhang verfügen, sind wir für unsere Umwelt permanent sichtbar. Diese Erfahrung begleitet uns von Kindesbeinen an. Ja, mehr noch. Unsere ersten Kommunikationsversuche mit der Welt geschehen häufig über die Augen.

In der frühkindlichen Entwicklung und insbesondere in der Schamentwicklung spielt der Augenkontakt zwischen Eltern und Kind eine wichtige Rolle. Dies gilt umso mehr, solange das Kind noch nicht sprechen kann.

Aber was sehen wir in den Augen anderer? Wie sehen sie, was spiegeln sie uns? Dass wir uns häufig so ungern zeigen, hängt schlicht damit zusammen, dass wir sehr oft negativ angesehen wurden. Unsere Erziehungstradition ist daran nicht unbeteiligt.

Notwendigkeit von Beurteilung

Als Menschen sind wir nie frei von Beurteilung. In gewissem Sinne sind wir sogar darauf angewiesen zu unterscheiden. Unterscheiden wir nicht, können wir nicht wählen. Wählen wir nicht, trennen wir nicht zwischen dem, was uns gut tut und dem, was uns schadet.

Wir sollten uns lediglich darüber im Klaren sein, dass die Qualität von Blicken (insbesondere derer, die wir als Kind und Jugendliche erfahren haben) sich direkt auf unsere Authentizität und Bereitschaft auswirkt, uns zu zeigen. Möchtest du dich gerne zeigen, wenn du mit Kritik zu rechnen hast?

Authentisch sein – wie geht das?

Einem Kind erklären zu wollen, wie man authentisch ist, ist absurd. Ein Kind ist einfach und interessiert sich nicht für theoretische Konzepte. Das ist sein Geheimnis – und sein Schatz. Authentisch zu sein bedeutet zu sein. Freudvoll. Wütend. Traurig. Neidisch. Liebevoll. Verspielt. Neugierig. Einsam.

Echt. Unverstellt und ungeschützt.

Kürzlich fragte mich ein Bekannter: “Aber wie bin ich authentisch?” Im Grunde fragte er danach, wie er sich wieder spüren kann, und wie er sich überhaupt verlieren konnte.

Wieso verlieren so viele von uns ihre Authentizität, ihre Wahrhaftigkeit, obwohl wir sie als Kind doch alle besaßen?

Scham und Beschämung – gefährliche Waffen

Die Antwort ist wieder einmal so simpel wie bedeutsam: als Kinder haben wir oft die (subjektive) Erfahrung gemacht, “nicht richtig” zu sein. Wir wurden für unsere Fehler und unser Kleinsein beschämt.

Lange stand ich dem Konzept des “positiven Denkens” sehr skeptisch gegenüber. Ich dachte, das sei nur ein billiger Trick, um sich das Leben “schön” zu denken. Doch eines Tages begriff ich, dass es immer mindestens zwei Seiten einer Medaille gibt. Jeder kennt inzwischen den Klassiker “Glas halb voll oder halb leer”. Doch im Prinzip gibt es unendlich viele Perspektiven, die wir einnehmen können. Die Gestalttherapie sagt sogar: wir konstruieren uns unsere Welt.

Perspektive ist subjektiv

Das gleiche gilt für unseren Blick. Wie betrachten und beurteilen wir andere? Wo stehen wir, und wohin blicken wir? Welche Perspektive nehmen wir ein? Suchen wir nach Fehlern und Defiziten (ein typisch deutsches Problem)? Oder wenden wir uns den Ressourcen und Stärken zu?

Der Unterschied mag klein und haarspalterisch klingen. Aber die Wirkung ist riesig. Erinnere dich an Situationen, in denen du jemanden kritisiert, verletzt, beschämt oder herabgewürdigt hast. Was sahst du?

Wahrscheinlich fiel dein Gegenüber körperlich in sich zusammen, verschloss sich, wurde rot, zog sich zurück, rannte weg – oder ging aus lauter Verzweiflung zum Gegenangriff über.

Und nun erinnere dich an einen Moment, in dem du jemandem etwas Nettes sagtest. Etwas, das von Herzen kam. Hast du gesehen, wie die Augen des anderen begannen zu leuchten? Wie sich ein Strahlen auf seinem Gesicht ausbreitete? Wie sich sein Körper straffte und er auf einmal größer erschien?

All dies können wir mit der Macht unseres Blickes, unserer Gedanken und unserer Worte bewirken. Und andere haben das Gleiche unzählige Male in uns bewirkt. Wir sollten uns klar werden, wie mächtig unsere Perspektive ist. Und sie sorgsam wählen.

Viele machen sich auf den Weg

Für mich ist es kein Zufall, dass im Moment nicht nur ich, sondern auch viele andere vor den Vorhang treten. Für mich sind dies Zeichen der “Neuen Zeit”. Am intensivsten nehme ich dies bei Facebook wahr. Es mag an meinem Umfeld liegen, aber plötzlich tauchen überall Blogs und Websites auf. Die Menschen beginnen, sich zu zeigen. Sie wollen gesehen und gehört werden.

Aber ist es das Risiko wert?

Was wir zurückgewinnen, wenn wir uns zeigen

Ja, das ist es. Allerdings ist es nicht ganz so trivial. Wir tun gut daran, immer zwischen “geeignet” und “ungeeignet” zu unterscheiden. Scham ist ein – zugegebenermaßen unangenehmes  – Gefühl, das uns dabei hilft. Lösen Menschen Scham, Unwohlsein und Rückzug in uns aus, ist es keine gute Idee, ihnen unser Innerstes zu offenbaren. Treffen wir jedoch Menschen, die uns annehmen, lieben, wertschätzen, ist das eine hervorragende Gelegenheit.

Ich selbst habe erst begonnen, mich wieder zu zeigen, als ich immer mehr positive, Mut machende Erfahrungen machte – und suchte! Dank meiner Ausbildung in Gestalttherapie traf ich immer häufiger Menschen, die mir offen, neugierig und wertschätzend begegneten. Etwas, das man lernen kann.

Überraschende Erfahrungen

Erst vor kurzem habe ich den Schritt gewagt, mich meiner “Berufung”, meinem Traum und meinem Herzenswunsch zu stellen. So tief saß meine Angst vor Kritik, Herabwürdigung und Beschämung. Und ich bin auch jetzt noch nicht davor gefeit. Mich zu zeigen, bleibt ein Risiko. Aber ein kalkulierbares. Eines, das ich heute besser einzuschätzen weiß und ich bereit bin einzugehen.

Meine früheren Erfahrungen haben mich gelehrt, mich besser unsichtbar zu machen, mich zu verstellen, eine Rolle zu spielen, die mir nicht entspricht. Doch ich wusste, dass es meine “Aufgabe” und Begabung ist, in die Öffentlichkeit zu treten und meine Stimme zu erheben. Diese Vision durchzieht mein Leben wie ein roter Faden.

Dies erinnert mich einmal mehr an die Worte von Donald Maass, einem amerikanischen Literaturagenten. In seinem Buch “Writing for the 21st century” schreibt er, wir müssten als Autoren – und ich füge hinzu als Menschen – an unsere Grenzen gehen und darüber hinaus, um das Publikum des 21. Jahrhunderts zu erreichen. Wir müssten uns selbst erforschen, uns authentisch, ungeschminkt und wahrhaftig zeigen.

Tu, was du liebst. Mach dich verletzlich.

Johnny Cash, der bekannte Countrymusiker, hat am Anfang seiner Karriere einen ähnlichen Rat erhalten. “Sing aus dem Herzen”. Tu das, was du wirklich bist. Und beginne, dich selbst positiv zu betrachten. Für Cash wurde dies zum Wendepunkt. An diesem Tag begann sein Welterfolg.

Ich selbst stelle etwas höchst Erstaunliches fest. Etwas, was Maass´ Forderung bestätigt. Je mehr ich mich zeige, je riskanter sich ein Text für mich anfühlt, desto mehr und desto positivere Reaktionen erhalte ich.

Das bewahrt mich nicht davor, Kritik zu ernten oder auf Menschen zu treffen, denen nicht gefällt (oder entspricht), was ich tue. Doch ich entscheide mich dafür, für die zu schreiben, die sich in meinen Texten wiederfinden. Denen ich – hoffentlich – Mut machen. Die ich bestärken und inspirieren kann. Die gerne lesen, was ich schreibe.

Und wenn ich hier und da einen Dorn zurücklasse, soll es mir auch recht sein. Jemand, der mich schon immer erstaunlich gut sehen konnte, sagte einmal, ich hätte “klirrende Grenzen”. So langsam verstehe ich, was er meint.

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